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Disruption – eine wohlwollende Umschreibung für Krieg?

„Stell dir vor es ist Krieg …“ – das sind die ersten und wohl auch bekanntesten Worte eines Gedichts von Berthold Brecht. Verfolgt man die  Wirtschaftsnachrichten, könnte der Eindruck entstehen, dass tatsächlich Krieg herrscht – wenn das Vokabular in den Berichten nicht weicher, analytischer und emotionsloser klänge. Ein Wort taucht dabei in diesem Zusammenhang immer öfter auf: Disruption.

Noch vor gut zehn Jahren sprach kaum einer von „Disruption“. Ich bin mir sicher, dass viele damals noch gar nicht genau wussten, was damit gemeint ist, obwohl es das Wort natürlich schon gab und es in den Wirtschaftslehrbüchern verwendet wurde. Stattdessen wurde von Florieren, Aufblühen im Sinne von Wachstum gesprochen. „Prosperity“ war eine der bevorzugten Vokabeln des früheren US-Präsidenten Georg Walker Bush. Alles klang nach Aufbruch und unbegrenzten Möglichkeiten. Es gab auch damals schon Umbrüche wie z.B. die Krise in der Werbebranche Anfang der 2000er Jahre, aber der große Absturz erfolgte 2008, als die Bankenwelt ins Wanken geriet. Weitere Paukenschläge folgten.

Wirtschaft ist die zivile Art Krieg zu führen

Ich erinnere mich an ein Gespräch, das ein Gesellschafter einer Agentur, für die ich zu Beginn meiner Laufbahn in der Werbebranche tätig war, mit mir führte. Seine ungefähren Worte waren: „Sie müssen eines verstehen: Wirtschaft ist die zivile Art Krieg zu führen. Es geht nicht um Wohlergehen und um praktische Umsetzung von Wirtschaftstheorien. Eroberung und Zerstörung sind der Kern des Handels, ohne dass ein einziger Schuss fällt.“ Naiv wie ich war, verstand ich nicht recht, was er meinte, denn das, worin wir uns bewegten, hieß doch soziale Marktwirtschaft.

Mittlerweile muss ich diesem Gesellschafter zustimmen. Konzerne, deren Budgets größer sind als die ganzer Staaten, agieren grenzüberschreitend. Ihr Einfluss hat Wirkung auf das gesamte Wirtschaftsleben. Vorständler gleichen Generälen und Topmanager hohen Offizieren. Die Politik wird von Lobbyisten nicht nur begleitet, sondern an manchen Punkten gar geführt. Die Einführung und das Voranschreiten von neuen Technologien verändern neben Arbeitsprozessen die Denkweisen das soziale und ökonomische Gefüge. Berufsbilder verschwinden ebenso wie traditionell gewachsene Firmen. Der Markt ist von vielseitigen Umbrüchen und Veränderungen geprägt.

Disruption das neue Prosperity

Es macht sich in allen Bereichen des Lebens die Einsicht breit, dass es so wie es ist, es nicht mehr weitergehen kann. Die öffentlichen Haushalte sind ausgereizt, Finanzblasen platzen, Bilanzen werden hin und her geschoben, um unkontrolliertes Kollabieren zu vermeiden. Es vergeht keine Woche ohne Meldungen über Insolvenzen, Pleiten oder Übernahmen. Erst kürzlich war zu lesen, dass Großkonzerne über die eigene Zerschlagung nachdenken. Disruption ist jetzt in aller Munde: digitale Disruption, Disruptive Selling oder disruptiver Wandel, um nur einige Schlagwörter zu nennen. Die Zerstörung soll also die Lösung für viele der Probleme sein, die sich über Jahrzehnte angestaut haben, Disruption die Chance für neues Wachstum, für Wandel und Fortschritt bieten. Doch die Veränderungen werden schmerzlich sein und auf viele Fragen gibt es noch keine Antwort. Haben wir etwas verschlafen oder wollten wir etwas nicht sehen? Oder vielleicht gar nicht erst wahrhaben?.

 

Die Anzahl der Banken wird sich in den nächsten Jahren drastisch reduzieren, in der Industrie sollen Millionen von Arbeitskräften wegfallen, die Autoindustrie gerät unter Druck und mit ihr die Zulieferbranche. Cybercrime boomt. Auch die Werbeindustrie in all ihren Facetten ist davon betroffen, auch wenn viele es noch nicht glauben wollen. Beispielsweise werden Texte bereits jetzt durch Computer geschrieben. Wer braucht noch Texter? Logos werden durch Software zu sensationellen Preisen en bloc generiert. Wäre doch unklug eine Agentur zu beauftragen. Und kürzlich war zu lesen, das Geschäftsmodel Agentur habe keine Zukunft – es lebe die virtuelle Agentur.

Geschäftsmodelle müssen entwickelt werden

Es herrscht seit Jahren ein mächtiger Krieg an allen Fronten – nur dass eben keine Panzer rollen und kein Schuss fällt. Dennoch werden der Markt und das Wirtschaftssystem an allen Ecken erschüttert. Und das ist erst der Auftakt. „Stell Dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin – dann kommt der Krieg zu Euch“ lautet der erste Satz von Brechts Gedicht und weiter: „Wer zu Hause bleibt, wenn der Kampf beginnt, und läßt andere kämpfen für seine Sache, der muß sich vorsehen: Denn wer den Kampf nicht geteilt hat, der wird teilen die Niederlage. Nicht einmal Kampf vermeidet, wer den Kampf vermeiden will, denn es wird kämpfen für die Sache des Feindes, wer für seine eigene Sache nicht gekämpft hat.”

Für uns in der Wirtschaft – gleich in welcher Branche – bedeutet das, wer annimmt, es bliebe so wie es ist und es wird schon nicht so dramatisch kommen, sich umschauen wird. Auch wir in der Werbebranche müssen kreative, neue Geschäftsmodelle entwerfen. Das ist einfacher gesagt als geschrieben, aber sich rechtzeitig mit den unausweichlichen Veränderungen zu befassen und über Lösungen nachzudenken, ist besser als untätig zu bleiben. Ich habe noch keine Antwort, aber ich arbeite daran.

Digital ist besser

Digital ist besser so tönten einst schon die fantastischen Tocotronic. Für viele Bereiche des Lebens wird das auch zutreffen. Und die Digitalisierung hält seit einigen Jahren auch im Sport- und Fitnessbereich Einzug. Was früher noch der einfache Radcomputer und die funktional eingeschränkte Pulsuhr waren, wird heute von intelligenten Fitnessgadgets abgelöst. Die Preisspanne reicht dabei von wenigen Euro bis hin zu nahezu unbezahlbar.

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Vom Wahn der ständigen Erreichbarkeit und ewiger Betriebsamkeit

„Wie? Sie sind im Urlaub nicht erreichbar? Dann müssen Sie es sich als Selbstständiger ja leisten können“, sagte ein Kunde neulich etwas vorwurfsvoll zu mir. Während eines Gesprächs erwähnte ich, dass ich zwischen den Tagen zum Jahreswechsel mein Büro zusperre und auch komplett offline gehen werde – kein Handy, keine Mails, kein Dauerfeuer durch Messenger.

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Wenn das Zauberwörtchen

„Wenn Dann Formeln“ kennen sicherlich viele von Excel oder einem Pedant dazu. Hier wird einfach ein Befehl bei einem gewissen Ereignis ausgelöst. Als Beispiel ist die Zahl größer als 5 dann soll daneben die Note Nicht Genügend stehen. Solch einen „Algorithmus“ gibt es ebenfalls für andere Tätigkeiten die Zeitraubend sein können. Als Beispiel man hat mehrere Social Media Kanäle und möchte diese mit gleichen Inhalt bespielen unter gewissen Bedingungen. Dies ist mit der Website IFTT (If this than that) möglich. Das heißt, wird bei Twitter ein Beitrag mit einem bestimmten Stichwort (Hashtag #) eingegeben, dann wird dieser Post automatisch an den jeweiligen Facebook oder Instagram Account, weitergegeben. Für WordPress gibt es auch etliche Möglichkeiten.

Dies ist jetzt nur eine Variante was mit dem Tool möglich ist. Der Fantasie sind hier kaum Grenzen gesetzt und sehr viele Anwendungen stellen eine Schnittstelle für das Wunderwerkzeug zur Verfügung. Einige Beispiele sind: Twitter, Facebook, Instagram, Evernote, Philips HUE, Spotify und viele mehr. Auch Smarte Haushaltsgegenstände wie Samsung Kühlschranke sind enthalten und damit können alle möglichen Dinge automatisiert werden. Das heißt, was jeder damit macht ist durch die eigene Fantasie begrenzt. Die Anwendungen von einem selbst oder anderen Nutzern können auch öffentlich zur Verfügung gestellt werden und es wird der Fantasie durch die Kreativität der anderen Nutzer auf die Sprünge geholfen.

Die Anwendung ist für Windows, iOS und Android verfügbar. Je nach System ist die Vielfalt unterschiedlich. Als Beispiel ist iOS strikter bei der Freigabe im System als Android.

Ich persönliche nutze es für zwei Dinge hauptsächlich. Zum einen die Automatisierung von Social Media Aktivitäten und die Benachrichtigung wenn in der Cloud ein bestimmter Ordner verändert wird, dann erhalte ich eine Email. Da ich diese immer wahrnehme und vorher die Änderungen nie gefunden habe.

Es sei allerdings angemerkt, man muss den Anwendungen natürlich Zugriffsrechte einräumen und kann diese jederzeit wieder verändern oder löschen. Hier gilt ebenfalls einfach ausprobieren und versuchen wie man gewisse Abläufe automatisieren kann. Denn Schlussendlich weiß jeder selber am besten, welche Abläufe im digitalen Alltag anfallen und welche grundlos ein gewisses Maß an Zeit rauben.

Downloadlink: IFTT

Photo by James Pond on Unsplash

Rechnungen, Angebote und deren Verwaltung

Rechnungen und Angebote schreiben ist durchaus mühsam und zeitaufwendig. Doch es gibt noch ein weiteres Problem, die Verwaltung dieser Dokumente. Hier ein persönlicher Abhilfetipp von meiner Seite, Fakturama. Diese vereinfacht die Rechnungs- und Angebotserstellung. Zusätzlich erhält man einen besseren Überblick über seine Finanzen (welche Rechnungen wurden gezahlt, etc.). Ursächlich bin ich auf diese Lösung durch eine persönliche Empfehlung gestoßen.

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Was analog gilt, hat ebenso in der virtuellen Welt Bestand! – Der Widerspruch Realität zu Internet

Stellen Sie sich folgende Szene vor: Zwei Freunde treffen sich. Der eine Freund erzählt dem anderen, dass er ein Auto kaufen möchte. Der Freund antwortet: „Kein Problem. Ich möchte meinen Wagen verkaufen. Du kennst ihn ja.“ Beide wollen das Geschäft eingehen und schauen sich das Auto an. Nach einer Inspektion und einer Testfahrt handeln beide die Bedingungen aus.

Warum funktioniert das? Beide sind in diesem Fall nicht nur Freunde, sie sind Geschäftspartner. Sie setzen auf Vertrauen. Es ist das stärkste Argument, das es gibt.

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Innovation – leider hat “Thesaurus” zu wenig Synonyme

Innovation ist ein viel und gern verwendetes Schlagwort. Es ist beinahe schon „inflationär“, so häufig wird es verwandt. Fast jede Firma bietet nur noch Neuerungen an bzw. bezeichnet sich als innovativ.

Die Frage drängt sich auf, braucht es immer neue Erfindungen, welche oft gar keine sind, sondern lediglich Marketingsprache? Kann es nicht einfach mal ein solides Produkt mit einem sinnvollen oder angenehmen Zusatznutzen sein? Dieser kann durchaus als “neu” tituliert werden, aber bitte nicht immer dieses Schlagwort: das innovativste Produkt des Jahres!

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Apple – Smartwatch – Diabetes – Gesundheit

Smartwatches sind derzeit noch ein „nettes Gimmick“. Doch sie fangen langsam an, den reinen Fitnesstrackern Konkurrenz zu machen. Die Betonung liegt allerdings auf langsam. Denn: Es ist noch immer der „Flaschenhals“ Akkulaufzeit, der ein Problem darstellt. Wer will schon seine Uhr täglich aufladen und das ohne wirklich großartigen Mehrwert? Das Mii-Band von Xiaomi beispielsweise kostet gerade einmal um die 30 Euro und hat eine wesentlich längere Akkulaufzeit. Im Vergleich dazu beginnt eine Apple Watch bei 319 Euro (Series 1).

Jedoch könnte den Smartwatches durch den Gesundheitssektor der endgültige Durchbruch gelingen. Nach unbestätigten Berichten zufolge arbeitet Apple an einer Methode, mit der über die Apple Watch der Zuckergehalt im Blut regelmäßig kontrolliert werden kann. Für Betroffene mit Diabetes würde dies bedeuten, dass es von diesem Zeitpunkt an nicht mehr notwendig ist, sich ständig in den Finger zu „pieksen“, um das Blut zu analysieren. Auch Google und andere Unternehmen, wie das Fraunhofer Institut, arbeiten an neuen Technologien zur Bestimmung des Blutzuckers. Anders als bei Apple soll bei einer dieser Methoden der Zuckergehalt mittels einer Kontaktlinse über die Tränenflüssigkeit gemessen werden.

Gerade der Gesundheitsbereich ist für Smartwatches prädestiniert. Viele Analysen und Kontrollen sind auf diese Weise möglich und können direkt an den Arzt gesendet oder einem Archiv zur Verfügung gestellt werden. Dies schafft ideale Grundlagen für Diagnosen und Behandlungsmöglichkeiten. Natürlich sollte hier der Faktor „Gläserner Patient“ nicht außer Acht gelassen werden. Dennoch kann dies für viele chronisch Kranke eine enorme Erleichterung und Vereinfachung des Alltages darstellen.

Um weiter beim Beispiel Diabetes zu bleiben: Bei einem gesunden Menschen erfüllt die Bauchspeicheldrüse die Kontrolle des Blutzuckers und regelt diesen mithilfe von Insulin oder Glucagon (bei Unterzucker). Bei Patienten mit Diabetes übernimmt die Bauchspeicheldrüse diese Funktion nicht mehr. Das heißt, es muss ständig manuell nachkontrolliert werden. Das ist für die Patienten ein mühsamer Prozess. Es erfordert akribische Kontrolle und eine genaue Dokumentation der Daten. Wenn dieser Teil entfällt und ein technisches Gerät genaue Informationen liefert, wie sich die Werte verändern und welche Handlungen zu setzen sind –  dann wird quasi durch Technik eine wichtige Funktion der Bauchspeicheldrüse wiederhergestellt. Bei einer zu hohen Blutzuckerkonzentration muss vom betroffenen Patienten nur noch die entsprechende Menge Insulin injiziert werden. Das bedeutet für die Betroffenen einen Gewinn an Lebensqualität, weil es mühevolle Arbeit erspart.

Vermutlich wird die Firma, die solche Sensoren in eine Smartwatch integriert, den Gesundheitsmarkt kräftig aufmischen. Zum Hintergrund sollte man wissen: Allein Diabetes verursacht laut Harvard T.H. Chan global Kosten in der Höhe von 825 Milliarden Dollar, . Daher darf die Smartwatch auf keinen Fall als reines Produkt für den „Consumer“-Bereich gesehen werden. Sie ist ebenfalls für Krankenkassen interessant. Vor allem unter dem Gesichtspunkt, dass medizinische Geräte sehr kostenintensiv sind. Bisher steht entsprechende Sensorentechnik selbst in der Kombination Smartphone und Smartwatch nur zu einem Bruchteil zur Verfügung.

Der Gesundheitsbereich in Bezug auf Hardware, Software bzw. Apps wird in den nächsten Jahren viele neue Entwicklungen hervorbringen. Die Schlagworte sind hier Digitalisierung und Künstliche Intelligenz. Letzten Endes ist es als eine Bereicherung zu bewerten, wenn die Lebensqualität kranker Menschen durch Technik verbessert wird –  allerdings gilt es, wie schon erwähnt, den Datenschutz kritisch zu hinterfragen und den Herstellern klare Vorschriften zu geben, um Mißbrauch vorzubeugen. Denn hier würde es mitunter Personen treffen, die auf der einen Seite enorm von der Technik profitieren und auf der anderen Seite einen extrem hohen Preis in der Form von hochsensiblen Daten dafür bezahlen. Hier sind gleiche Voraussetzungen einzuhalten wie bei Notfallpatienten. Eine stabile rechtliche Grundlage ist daher unabdingbar.

Photo by Lilly Rum on Unsplash

Quellen:
Stadt Bremerhaven – nicht invase Methode zur Blutzuckermessung
Stadt Bremerhaven – Smartwatch Marktanteil
Futurezone
9to5Mac

Apple.at

Demografischer Wandel und Digitalisierung: Fatale Ignoranz

Auf den ersten Blick und auch faktisch betrachtet haben der demografische Wandel und die Digitalisierung nichts gemein. Dennoch gibt es Parallelen. Beide bedeuten für Gesellschaft und Wirtschaft einen tiefgreifenden, ja, radikalen Umbruch. Obwohl medial über die Entstehung, Entwicklung und nachweisbare Folgen berichtet wird, ist ein breites und erforderliches Umdenken kaum oder nur langsam spürbar. Aus Furcht, etwas zu verlieren, sich auf Neuland zu begeben und Chancen zu ergreifen für einen dringend nötigen gesellschaftlichen und damit auch wirtschaftlichen Umbau, wird diesen beiden Thematiken mit Ignoranz begegnet. Doch das ist nichts anderes als Ausdruck von Hilflosigkeit und hat nur eine Schutzfunktion – oft mit fatalen Folgen.

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