Social-Media: Hauptsache posten!

Der berühmte „#Covfefe“ Tweet“ von Donald Trump ist symptomatisch für das übermäßige Dampfgeplaudere in unserer heutigen Zeit. Der US-Präsident twitterte 2017 eine Kurznachricht, in der dieses Wort auftauchte. Die Welt rätselte, was es bedeuten könne. Es war vermutlich ein Tippfehler beim Schreiben des Wortes „Coverage“. Der Begriff sorgte nicht nur für weltweite Aufmerksamkeit, „Covfefe“ bekam sogar einen Eintrag auf Wikipedia. Eigentlich ist es bedeutungslos und nichtssagend, aber weil es von Donald Trump stammt, bekam es Gewicht.

Trump ist keine Ausnahme. Leeres Gerede ist mittlerweile an der Tagesordnung. Es ist nicht so, dass in früheren Zeit wesentlich gescheiter geredet wurde, aber in dieser Massivität drang Dampfgeplaudere nicht in die Öffentlichkeit. Dank Smartphone, Internet, und Social Media hat sich das aber radikal verändert. Es vergeht kein Tag, an dem nicht unzählige Videos, Posts oder Tweets in Netz gestellt werden. Jeder hat etwas zu sagen, eine Meinung zu etwas oder möchte die Welt bekehren. Man kann den Eindruck gewinnen, alle wollen beraten, coachen oder „Speaker“ sein. Die Bandbreite der „Kommentatoren“ reicht vom Politiker über Unternehmer, die professionellen Speaker bis hin zur Frau oder zum Mann von der Straße.

Mal rasch ´ne Message posten

Die Qualität der Botschaften, die in den Kosmos und den Äther, „gerülpst“ wird, hinterfragt kaum einer. Die Büchse der Pandora ist geöffnet. Gleich, wo man sich gerade befindet  – am „Airport“, daheim auf dem Balkon, im Fahrstuhl, verschwitzt im Fitnesscenter oder im Supermarkt – Handy raus, Kamera an, langen Arm machen und losreden. So, wie einem die Gedanken gerade kommen. Die wenigsten denken wirklich über den Inhalt nach, den sie in diesem Augenblick produzieren. Hauptsache, die Message geht an die Community und löst viele Likes und Shares aus. Ja, die Sprache spielt dabei auch eine Rolle. Ohne „Denglisch“ geht es nicht, denn das vermittelt Kompetenz und Internationalität. Bullshit!

Was komplett fehlt, ist die alte Maxime: Zuerst denken, dann reden. Scheinbar hat das Internet wenig mit der analogen Welt zu tun und schreibt seine eigenen Gesetze. Dabei ist es nichts anderes als das reale Leben, das nur durch ein digitales Medium eine weitere Bühne hat. Wie würde das denn im Alltag aussehen? In ein Meeting geht man nicht unvorbereitet, ein Vortrag wird nicht aus der Luft gegriffen und erst recht ein Beratungsgespräch erfordert eine ordentliche Vorbereitung. Selbst bei einer Familienkrisensitzung macht man sich vorher Gedanken. Jedenfalls sollte das bei allen genannten Beispielen und generell so sein, schließlich möchte man etwas erreichen, ein Ziel, einen Konsens oder Respekt für den vertretenen Standpunkt oder der eigenen Person gegenüber.

Im Internet braucht es keine Sorgfalt, oder?

Wer im Alltag an einem Meeting, einer Besprechung oder gar bei einer Gerichtsverhandlung unvorbereitet erscheint, der macht sich lächerlich und untergräbt seine eigene Integrität und Kompetenz. Im Netz dagegen scheint eine derartige Sorgfalt keine Rolle zu spielen. Die Message wird rasch konsumiert und im Nu ist mit einem Daumdruck ein Like vergeben … Und weiter geht es zum nächsten Post der Community.

Geht allerdings etwas richtig daneben, dann ist das Netz erbarmungslos. Wie ein Lauffeuer wird geteilt und kommentiert. Da schlägt dann doch das reale menschliche Verhalten zu – Stichwort „Shitstorm“. Der „Covfefe-Ausrutscher“ des US-Präsidenten zeigt es.

Daher gilt als Grundregel: Bevor man etwas ins Netz stellen möchte, sollte man nicht nur vorher durchatmen, sondern sich überlegen, was man sagen will. Dabei kann man ohne Weiteres authentisch bleiben. Zwanghaftes Verstellen der Persönlichkeit bringt nämlich nichts. Es geht nicht darum, akribisch jedes Wort auf die Goldwaage zu legen, sondern lediglich darum, sich im Kopf einen „Fahrplan“ zurechtzulegen, was man wie zu einem bestimmten Thema sagen möchte. Gerade Unternehmen sollten grundsätzlich eine Kommunikationsstrategie haben, in der Kommunikationsziele, entsprechende Botschaften und der Rahmen, in dem diese durch ihre Repräsentanten mitgeteilt werden, klar definiert sind.

Allerdings ist es von Zeit zu Zeit auch von Vorteil einfach nichts zu kommentieren, als „gschaftiges Getue“ zur Schau zu stellen …

Photo by Jonas Zagatta on Unsplash